Stress hoch zwei

Warum bin ich eigentlich im Stress? Ich sage, es ist meine blöde Einstellung dazu ;-). Ich bin den ganzen Tag zu Hause. Zwischen ca. 8:00 – 15:30 Uhr bin ich Mama von nur einem Kind, dass dazu auch noch mit sich und der Welt zufrieden ist, so lange man ihn machen lässt und ihm, wenn er dann genug gemacht hat, Nähe und Nahrung schenkt. Ja und ab und zu mal die Windeln wechselt. Natürlich hat er auch mal schwierigere Phasen. Und trotzdem bin ich immer gestresst.

Der Haushalt macht sich nicht von allein.

Und warum? Weil ich zu nichts komme. Ich klopfe mir schon auf die Schulter, wenn ich es schaffe, die Waschmaschine und 2-3 Stunden später den Trockner anzustellen. Wenn ich es dann noch schaffe die Wäsche zusammenzulegen und wegzuräumen, dann war das ein sehr produktiver Tag, auch wenn es den ganzen selbigen dauert. Einkaufen klappt bisher noch ganz gut. Putzen? Nur am Wochenende, mal schnell das Gröbste. Das schaffe ich, während der Zwerg Bubu macht oder der Papa ihn nimmt und das Krümelkind in die flimmernde Kiste eintaucht. In der Woche wollen wir natürlich auch ein bisschen Familienzeit haben, wenn der Papa nach Hause kommt, da bleiben mir nur die Vormittage. Und auch wenn der Papa gut mit anpackt, irgendwie bleibt immer was liegen. Und abends wollen wir auch beide einfach mal die Beine hochlegen.

Hier ein paar Kalkflecken von der Armatur rubbeln, einmal über die Klobrille wischen, den Spiegel putzen und Staub wischen. Ähnliches in der Küche. Dann darf der Papa saugen – sehr zum Leidwesen vom Krümel. Und einmal im Monat hole ich dann den Dampfreiniger raus. Was Dreck und Keim angeht sind die Kinder also besten gerüstet. Über eine Putzfrau habe ich schon nachgedacht, aber das bisschen Geputze reicht mir bzw. meinen Ansprüchen. Viel mehr stresst mich der ganze Kram der hier rumliegt.

Man hat ja generell viel zu viel und die Kinder erst recht. Da haste gerade, dass ganze Babyspielzeug aufgesammelt und widmest dich der postalischen Zettelwirtschaft, da räumt der Zwerg hinter deinem Rücken alles wieder breit. Am liebsten würde ich einen großen Container bestellen und 80% aller Dinge weg schmeißen. Aber warte, vielleicht brauche ich das ja noch mal. 😉 Ihr versteht das Dilemma. Und dann hindert einen ja auch der Zwerg daran irgendwo mal anzufangen. Denn…

Als er noch nichts konnte, war alles einfacher

Wie gesagt, eigentlich ist der Zwerg ein recht genügsamer Zeitgenosse. Und vieles hätte ich machen sollen oder können, als er noch wie ein Käfer auf dem Rücken lag und so liegen blieb. Aber die Zeit war so schnell vorbei. Wobei ich generell nicht weiß wo die letzten fast 7 Monate so plötzlich hin sind. Jetzt krabbelt er durch die Gegend, schnappt sich alles, was irgendwie interessant aussieht und steckt es sich in den Mund. Am Liebsten übrigens Papier. Das allein hindert an vielem. Wäre aber noch okay. Was zur Zeit richtig stresst, ist das Hochgeziehe an allem was sich dafür eignet oder auch nicht. Und am schlimmsten daran ist, dass er noch nicht wieder runter kommt. Also Umfallen wie ein Brett werte ich nicht als gültigen Versuch des „Wiederrunterkommens“. So besteht mein Tagesablauf nun darin, dem Zwerg hinterher zu laufen, um ihn von zahlreichen Stürzen zu bewahren.

Ein Sturz auf den Hinterkopf erhöht das Denkvermögen?

Ich weiß, dass Stürze dazugehören. Und ich mache jetzt nicht unbedingt ein Fass auf, wenn er doch mal wieder auf den Hinterkopf knallt. Aber zu viel ist zu viel. Letzten Montag war ich erst beim Kinderarzt, weil er sich beim Sturz eine Schürfwunde zugezogen hat. Unterm Auge hat er einen blauen Fleck und auch der Hinterkopf war letztens noch gelblich von einem verblassenden Hämatom. Er soll ja aber nicht blöd werden und deswegen versuche ich jeden Sturz zu vermeiden, wenn es geht. Scherzhaft haben wir gesagt, zweimal am Tag darf er umfallen. Ja und das kommt ganz gut hin. Schafft er meistens.

Heute morgen erst kam der Papa ins Zimmer und weckte mich, weil der Zwerg in Krümels Bett gekrabbelt ist und er dort an der Lehne des davorstehenden Stuhls stand. So viel zum Thema Ammenschlaf. Was bin ich erschrocken, denn ich habe es nicht bemerkt. Ich hatte gerade geträumt, dass ich im Gefängnis bin und dort Konfetti gebastelt und kleine Schokoladentörtchen gegessen habe. ^^ Kurz um er ist eine Gefahr für sich selber. Also laufe ich den ganzen Tag hinter ihm her und schaffe nix. Weil er ja auch nicht mal 5 Min. mit allen vieren auf dem Boden bleiben kann.

Ich will, aber ich kann nicht…

Versteht mich nicht falsch. Es ist jetzt nicht so, dass ich hier sitze und denke: Ach ich würde so gerne mal wieder Staub wischen. ABER: Ach ich würde so gerne mal wieder nähen. Aber das geht nun kaum noch. „Früher“ konnte ich nähen, wenn er in der Trage schlief. Heute wacht er auf, wenn meine Ovi losrattert (und die ratattert ratattert) – die Nähmaschine geht noch ^^. Stoff zuschneiden? Viel zu gefährlich, so schnell kann ich wahrscheinlich nicht gucken und er hat die Hand unterm Rollschneider. Schnittmuster kleben und ausschneiden? Nee, wird sofort zu Pappmaché verarbeitet. Also starre ich sehnsüchtig meine Stoffe an und seufze. Die werden im übrigen immer mehr, weil ich einfach nicht mit vernähen hinterher kommen.^^

…und das stresst.

Ja das stresst mich in vielerlei Hinsicht. Ich will, aber ich kann nicht. Das wollte ich noch zuschneiden und nähen und das noch und dann das noch. Stress. Und kann ich, dann will ich vielleicht gerade nicht. Aber dann könnte ich halt gerade und dann muss ich auch, weil ich ja gerade kann. Stress. Momentan muss ich wohl schon immer eine Größe größer zuschneiden, ich weiß ja nicht, wann ich es nähen kann. ^^ Ja auf jeden Fall macht mich dieses Wollen und nicht Können ganz schön wuschig. Nicht nur in Bezug auf das Nähen. Ich sehe halt so viele Baustellen hier, aber für mehr als das Gröbste reicht es halt momentan nicht. Und dann werde ich übellaunig und motzig und meckere die Kinder an, obwohl sie gar nichts gemacht haben. Dann setzt das schlechte Gewissen ein und ich werde wütend auf mich. Und bin noch mehr gestresst.

Die Lösung?

Nein, nicht die Kinder zu Oma und Opa geben. Also bei der Großen kann ich das ja mittlerweile so ein bisschen, aber beim Zwerg…Nö! das dauert noch mind. 2 Jahre ;-). Viel mehr hilft mir das elterliche Mantra: Es sind alles nur Phasen! Ich gebe mich jetzt nicht der Illusion hin, dass ich hier in drei Wochen oder so seelenruhig den ganzen Tag nähen kann und der Zwerg beschäftigt sich mit sich alleine. Aber ich werde nicht mehr die ganze Zeit hinterher sein müssen, um noch mehr Blessuren des Kopfes zu verhindern. Und dann ist vielleicht hier und da mal eine Naht drin oder zwei. Zur Zeit arbeite ich also hart an meiner inneren Einstellung – nach dem Motto: Ich muss nichts schaffen. Ich muss nur für meine Kinder da sein. Die Zeit ist so schnell vorbei, auch wenn sie mir jetzt ewig vorkommt. Schaff ich das? Nicht immer, aber das liegt wohl eher an meiner latenten Genervtheit…

Aber es klappt mittlerweile ganz gut, dass wenn der Ich-will-jetzt-aber-mal-dies-und-jenes-machen-Stress aufkommt mir innerlich zu sagen – komm runter, bald kannst du das alles wieder machen. Und ich fürchte in ein paar Jahren denke ich, wo ist nur die Zeit hin, wo sie mich noch so sehr brauchten. Und ich will nicht in Erinnerung behalten, dass ich in dieser Zeit nur genervt und gestresst war.

Bis bald.

Julia.

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