Beikost: Brei vs. Baby Led Weaning

Der Zwerg ist nun schon 24 Wochen alt, das Thema Beikost wird also immer präsenter, vor allem weil er schon seit Wochen extremes Interesse an unserem Essen hat. Diesmal wollte ich es mit Baby Led Weaning probieren und doch bin ich (auch) wieder bei Brei gelandet.

Beim Krümel hatte ich erst spät etwas von Baby Led Weaning gehört, da aß sie schon relativ viel und gut, so dass es kein Thema mehr war. Sie war also das klassiche Breikind. Begonnen hatte ich bei ihr mit homöopathischen Dosen bereits mit 18 Wochen. Warum? Sie war ein Vielstiller, hing eigentlich aller ein bis anderthalb Stunden an der Brust – zum Trinken, Schnullern und Einschlafen. Einserseits hatte ich gehofft, dass sich das durch die Beikost etwas relativiert, auf der anderen Seite half es einfach auch den Tag zu strukturieren, Natürlich ist die Kalorienzufuhr gerade am Anfang verschwindend gering und eben weder ausreichend noch dazu gedacht eine Brust-/Flaschenmahlzeit zu ersetzen. Aber wie gesagt, es half den Alltag zu strukturieren und den Mittagschlaf einzuführen.

Beim Zwerg ist die „Struktur“ schon da – den Krümel in die Kita bringen und nachmittags wieder abholen. Genau daher wollte ich es mit Baby Led Weaning probieren – so kann er gleich aktiv am Familientisch teilnehmen und ich muss nicht füttern…Aber fangen wir mal ganz von vorn an.

Was ist Baby Led Weaning?

Frei übersetzt, heißt es erstmal nichts anderes als Baby gesteuerte Entwöhnung – in diesem Fall von der Brust/Flasche. Gemein hin wird es als Alternative zur klassischen Beikosteinführung mittels Brei gesehen. Das spiegelt sich auch in der Umsetzung wieder: hierunter verstehen die meisten Fingerfood statt Brei. Ich sehe das selber etwas anders, aber dazu später mehr 😉

Das wichtigste ist aber: KEIN ZWANG und KEIN DRUCK – wie der Name sagt, das Baby bestimmt selber, wann es was und wie viel es davon ißt und wann und in welchem Umfang es auf Brust- oder Flaschenmahlzeit verzichtet.

Ein Vorteil vom Fingerfood ist, dass die Familie von Anfang an gemeinsam (ohne füttern/gefüttert werden) das gleiche Essen essen kann. Das Essen sollte natürlich nicht scharf oder zu salzig sein – kindgerecht eben. Gereicht werden Stücke, die gut gegriffen und verspeist werden können. Das fördert nicht nur die Hand-Augen-Koordination, sondern auch die Sinne, indem es jedes Lebensmittel ertasten und erschmecken kann. Anders als beim Brei, wo alle Zutaten vermischt und püriert sind.

Dem Baby Led Weaning wird auch nachgesagt, dass es dem Kind hilft ein gesundes Hunger- und Sättigungsgefühl zu entwickeln und so schlank macht bzw. hält. Das will ich aus persönlicher Sicht gleich an dieser Stelle mal relativieren. Ein Baby hat bereits ein gutes Hunger- und Sättigungsgefühl und wenn man nach Bedarf stillt oder füttert behält es das auch weit vor der Beikosteinführung bei. Außerdem signalisieren auch Breikinder wann sie genug haben. Wenn man sie dann auch genug haben lässt, dann sehe ich auch hier keinen Störfaktor. Und zum Thema schlank: Es gibt dünne und proppere Stillkinder, warum sollte das bei Beikostkindern anders sein?

Sinn der Beikost ist es ja, nach und nach die „Milchmahlzeiten“ zu ersetzen. Meiner Meinung nach kann dies mit Brei genauso schonend und liebevoll passieren wie mit Fingerfood. Diesbezüglich sehe ich also keine Vorteile bei der einen oder der anderen Variante. Das Zauberwort ist auch hier Baby Led Weaning – das Baby entscheidet!

„Spielregeln“ für Baby Led Weaning.

Ich sage es gleich vorweg Baby Led Weaning mittels Fingerfood ist nichts für Menschen, die schnellstmöglich und ordentlich Essen in das Kind bekommen möchten. Denn gerade bei Fingerfood wird gemanscht, zerdrückt, verschmiert – kurz mit allen Sinnen genossen. Sei also geduldig! Auch was das „Abstillen“ betrifft. Wenn das Baby selber isst, landet zu Beginn noch weniger im Magen als beim Brei! Auch dein Baby sollte es daher nicht zu eilig haben von der Milch wegzukommen. Andersrum sollte es aber natürlich Interesse am Essen zeigen, gut greifen und das Essen zum Mund führen können. Hilfreich ist es wenn das Kind schon allein sitzen kann, aber auch mit Unterstützung kann es schon ganz gut gehen.

Halte das Kind beim Essen aufrecht – das minimiert einfach das Risiko sich zu verschlucken und erleichtert das rauswürgen. Zu Beginn empfiehlt sich, ähnlich wie beim Brei, Gemüse anzubieten – z.B. Karotte. Aber auch Obst ist kein Tabu. Wichtig ist nur, dass Hartes gedünstet wird und alles in faustgerechten Stücken gereicht wird – oder sagen wir, das Essen sollte auch ohne Pinzettengriff machbar sein. Leichter wird es, wenn das Kind munter und nicht zu hungrig ist, um sich darauf einlassen zu können, aber das ist ja auch bei Brei der Fall.

Aber auch hier noch mal die wichtigste Spielregel: Geduld, keine Tricks etwas zu Essen ins Kind zu bekommen, Geduld, das Baby völlig frei entscheiden lassen und Geduld 😉

Des Beste von beiden – mein Baby Led Weaning.

Nun bin ich mittlerweile nicht mehr ganz so dogmatisch wie noch beim Krümel und bin nicht mehr nur für Schwarz oder Weiß. So sehe ich es auch beim Baby Led Weaning – es dogmatisch als Fingerfood zu deklarieren widerstrebt mir. Letztendlich heißt es einfach: das Baby gibt den Weg und das Tempo vor. Und das kann man auch mit Brei. Der Zwerg bekommt bei Brei z.B. den Löffel mit Brei einfach in die Hand gedrückt und saugt es dann selber vom Löffel.  Und wenn es nicht im Mund landet, dann untersucht er es mit den Fingern oder prustet es wieder heraus. Aber zugegeben, Brei ist (noch) nicht so seins. Manchmal ist es aber einfach praktisch, denn das kann man bzw. trau ich mich auch in der Halbaufrechten zu füttern.

Aber eigentlich ist er voll der Fingerfoodfan. Habe ich ihn in der Trage bekommt er auch mal ein Stück Brötchen in die Hand. Das speichelt er genüsslich ein und hat sogar schon was runter geschluckt. Vielleicht hat ihm das Kraft gegeben, da er danach abends mit Robben angefangen hat :-D. Da er aber noch nicht allein sitzen kann und ich ihn nicht sitzend im Hochstuhl festklemmen will, bleibt es erst bei ein paar vereinzelten Fingerfoodversuchen. Ihn auf den Schoß setzen? Nee geht gar nicht, dann schnellt er nach vorn und versucht den ganzen Tisch abzuräumen, krallt sich Teller, Messer und Lebensmittel – es kostet Kraft ihn festzuhalten und da kann ich genauso wenig essen, wie wenn ich ihn mit Brei füttern würde. Aber diesmal habe ich es auch nicht eilig und so lange ihm Stillen und Flasche noch reichen, reicht es mir auch. Zwischendurch gibt es immer mal ein bisschen Brei, um ihn zumindest mal auf einen anderen Geschmack zu bringen. Aber er entscheidet!

Letztens gab es mal ein bisschen weichgekochte Möhre – eigentlich ist gar nicht so viel in ihm gelandet, aber drei Tage habe ich Möhre im Stuhl gefunden und jetzt verratet mir, was das bringt, wenn das unverdaut wieder rauskommt? 😀 Achso das bringt mich noch auf ein Argument, was manche Baby-Led-Weaning-muss-Fingerfood-sein-Dogmatiker anbringen: dass man zu Urzeiten ja auch keinen Brei kaufen konnte. Dem möchte ich entgegenstellen, dass es bei vielen Tierarten Gang und Gäbe ist die Nahrung vorzukauen, wer sagt, dass es bei den Urmenschen nicht auch so war? Vielleicht ist die Aufspaltung der Nahrung durch das mütterliche Kauen sogar wichtig für das kindliche Verdauungssystem. So lang ich das nicht weiß, mach ich es so, wie es am Besten zu uns passt und uns Spaß macht. Und das solltet ihr auch tun :-*

Bis bald und Guten Appetit!

Julia.

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