Das RTL Erziehungsexperiment – meine Meinung!

In den Onlinekreisen in denen ich mich – teils auch eher nur mitlesend – bewege, wurde das RTL Erziehungsexperiment heiß und vor allem negativ diskutiert. Das auch zu recht, aber für meinen Geschmack etwas zu hart, denn ich war bei allen Horrorvorstellungen, die ich im Vorfeld von dieser Sendung hatte, positiv überrascht.

Es ist wie mit dem Tragen…

In der bedürfnisorientierten und unerzogen Community stößt das dort gezeigt zu recht sauer auf, denn es war/ist alles andere als der Königsweg. ABER! Es ist wie mit den Baby Björns dieser Welt – ein Anfang. Anstatt sich darüber aufzuregen, dass Babys im BB nach vorn schauend und in orthopädisch unmöglicher Haltung getragen werden, sollte man sich freuen, dass die Eltern dem kindlichen Bedürfnis nach Nähe dennoch Rechnung tragen. Als meine Nichte vor 9 Jahren geboren wurde, wurde meine Schwester noch schief angeschaut, als sie sie im Tuch trug. Heute ist es normal und ich wurde schon so oft von alten Leuten angesprochen, die das so schön finden, obwohl sie vermutlich das genaue Gegenteil erlebt und auch selber praktiziert haben (Johanna Haarer sei Dank – ich krieg jedes Mal Ekel-Gänsehaut, wenn ich den Namen lese oder höre). Das ist doch was!! Und so wird es auch bald mit dem Schlafen sein.

Was kritisiert wurde und warum ich ‚ja, aber‘ sage.

Ich muss zu allererst zugeben, dass ich erst später – angefixt durch die FB-Unerzogen-Gruppe – ins Erziehungsexperiment reingeschaltet habe und nebenbei auch genäht habe. Das Gros habe ich aber erfasst. Kleine Kinder mussten/sollten alleine in ihren Gitterbettchen schlafen und zwar ohne Gezeter. Erstens wurde schon das Gitterbett an sich kritisiert. Ich schließe mich an, dass es dem Kind die Möglichkeit nimmt selbstbestimmt aufzustehen und auch sich hinzulegen. Was, und das ist das negative daran, von den meisten Eltern auch gewollt ist. Bei den Zwillingen meine ich aber, waren einige Stäbe entfernt, was den Käfigstatus relativiert und ansonsten ist so ein Gitterbett auch ein guter Schutz für herumwurschtelnde Babys. Zweitens: die kleinen Kinder, Babys waren es nicht mehr, mussten allein schlafen. Für mich ist das auch ein absolutes NoGo und für viele in der Community auch. Ich lebe und liebe das Familienbett! Für das Einschlafen ist es aber mMn irrelevant, ob das Bett nun im Schlafzimmer oder im Kinderzimmer steht, denn die Kinder werden allein gelassen, selbst im Familienbett. Es sei denn man bleibt gleich mit liegen, aber dann hat man vermutlich auch keine Probleme.

Bisher wurden die Kinder alles andere als liebevoll zum Schlafen bewegt. Die Kinder mussten weinen, schreien etc. Die Experten zeigten nun wie man mit Ritualen, Ruhe und dem Vermitteln von Sicherheit eine angenehme Einschlafatmosphäre schafft. Dabei war oberste Prämisse die Kinder zu begleiten und nicht zu erwarten: hinlegen, schlafen, fertig. Es wurde aufgezeigt, dass die Kinder sich total artgerecht verhalten und das das Problem die Eltern und ihre Erwartungen sind. Das Problem waren also nicht mehr die Kinder. Es wurde den Eltern gezeigt, dass es ohne Machtausübung geht. Die Eltern blieben in Beziehung zu ihren Kindern und haben ihr Bedürfnis wahrgenommen.

Deswegen verstehe ich die harsche Kritik am Erziehungsexperiment nicht. Zumal die Mutter der kleinen Annabell auch sofort wieder reingeschickt wurde, als Annabell wieder schrie…den kleinen zeitlichen Versatz schiebe ich der Technik zu.

Das Einzige, was wirklich richtig schlimm an dieser Sendung war, war Birgit Schrowange und ihre Ansichten. 😉

Schlafen bei Mama

Und nachts?

Hier sehe ich das eigentliche Problem. Was ist denn nachts? Die Kinder werden aufwachen und feststellen dass keiner da ist, also werden sie weinen und wieder Angst bekommen. Das Gelernte muss also noch mal angewandt werden und dass jedes mal und unverzüglich so bald das Kind wach wird. Tun das die Eltern, ist das immer noch nicht der Königsweg, aber es wäre annäherend bedürfnisorientert – zumindest soweit, dass ich keinen seelischen Schaden bei den Kindern erwarten würde.

Das Einfachste wäre: Nehmt die Kinder mit in euer Bett!!! Viele Eltern sagen jetzt, ja aber…und dann sag ich, stellt euch eine Frage: Wie gern schlaft ihr allein in eurem Bett, eurem Zimmer, eurer Wohnung? Also warum sollen es die Kinder?! Und diese Frage richtet sich nicht an Mombies, die sich selbst mit Schlafsack in den Keller legen würden nur um mal wieder zu schlafen 😉

Diese Nähe ist viel zu schnell vorbei. Ich gebe aber zu, dass ich da extrem bin, mir ist das Beistellbett schon zu weit weg. Und trotz dass ich ständig mit steifem Nacken und verspannten Schultern aufwache, kann ich es nicht aushalten ohne meinen Zwerg zu sein. Vielleicht verarbeite ich da auch ein bisschen die einsamen Nächte im Brutkasten und Gitterbett! Und sicher, das Familienbett ist nicht für jeden was, aber dann findet eine Lösung für möglichst viele Nähe für die Kinder und möglichst viel Freiraum für euch (Beistellbett?!).

Fazit

Was ich positiv bewerte (nicht aus bedürfnisorientierter Sicht, sondern aus Mainstreamsicht):

  • Es wird gezeigt, dass nicht die Kinder, sondern die Erwartungen (von der Allgemeinheit propagiert) das Problem sind.
  • Dass es ohne Angst und Schreien, Verzweiflung und Gewalt geht.
  • Dass man nicht allein mit dem „Schlafproblem“ ist (angeblich schlafen ja alle anderen Kinder problemlos ein und durch ;-))
  • von den Hilfsangeboten profitieren die Zuschauer mit ähnlichen Problemen 

    Was ich negativ sehe:

  • Die Sendung stellt nicht klar genug dar, dass Kinder Begleitung brauchen und auch bekommen sollten
  • die Option, sie mit zu sich zu nehmen, wird nicht mal in Erwägung gezogen.
  • Man hätte auch auf Müdigkeitszeichen und den richtigen Zeitpunkt eingehen können und sollen
  • Ein Hinweis darauf, dass es oftmals nur Phasen sind, wo das Nähebedürfnis derart hoch ist

So und nun bin ich echt total gespannt, wie ihr das erlebt habt und was eure Meinung zum Schlafen/Einschlafen an sich und zur Sendung im Speziellen ist!

Bis bald.

Julia.

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