Geschlossenes vs. offenes Kita-Konzept

Gut neun Monate sind wir nun in unserer Ausweichs-/Übergangskita und mittlerweile haben wir uns vier ganz gut eingelebt. Zugegeben habe ich mich anfänglich sehr schwer getan mit dem Wechsel vom geschlossenen zum offenen Kita-Konzept – Ich hatte anfangs sehr große Bedenken. Ob sie sich bestätigt, relativiert oder gar zerschlagen haben, möchte ich euch daher erzählen. Doch wo liegt überhaupt der Unterschied bzw. wo lag/liegt er bei uns.

Das geschlossene Kita-Konzept

Das Widdermädchen (und kurz auch das Böckchen) besuchte bis zum Wechsel eine Kita mit geschlossenem Konzept. In Krippe und Kindergarten war sie jeweils in einer Stammgruppe mit zwei bzw. später im Kindergarten einem festen Bezugserzieher. Die Erzieher ihrer Krippengruppe waren vor allem musisch begeistert – sie haben viel musiziert, gesungen und Kreisspiele einstudiert. Gemalt und gebastelt wurde auch reichlich, vor allem, wenn Feiertage anstanden. Das gefiel dem Widderchen sehr – auch heute noch tanzt, malt und bastelt sie sehr gern.

Man kannte die anderen Kinder, deren Eltern und größtenteils auch die Geschwister, vor allem die mit denen man früh bzw. am Nachmittag zur gleichen Zeit kam. Es gab ein schönes Wir-Gefühl und immer ein freundliches Miteinander. Die Bereitschaft zu Festen war immer sehr groß und auch unter den Eltern sind Freundschaften entstanden.

Die Erzieher kennen die Kinder sehr genau, da sie ja die ganze Betreuungszeit mit ihnen verbringen. Der Tag war recht strukturiert und fast alle Aktivitäten fanden in der Gruppe statt. Der Widder hat dort sehr enge Freundschaften geschlossen, die auch ohne gemeinsame Kita Bestand haben (auch wenn diese zeittechnisch viel zu oft auf der Strecke bleiben).

Krippe und Kindergarten waren verteilt auf zwei Etagen in zwei getrennten Häusern (die über einen offenen Laubengang bzw. den Keller mit einander verbunden waren). Die Krippenkinder hatten ihren eigenen Garten getrennt von den Großen. Im Kindergarten gab es im Keller einzelne Themenräume. In der Krippe gab es einen Extra-Spielraum, der bei Öffnung der Gruppen von allen genutzt werden konnte. Die Mahlzeiten wurden in der Krippe geschlossen in der Gruppe und zu einer bestimmten Zeit eingenommen. Im Kindergarten gab es Frühstück und Mittag gestaffelt im „Kinderrestaurant“ und Vesper geschlossen in der Gruppe.

Das offene Kita-Konzept

Im schon recht offensichtlichen Kontrast zum geschlossenen steht das offene Kita-Konzept. Ich war am Anfang schon irgendwie geschockt, was aber zu einem Großteil auch daran lag, dass wir 1. keine Eingewöhnung hatten und 2. uns viele Dinge anderes versprochen wurden. Nun ja.

Im offenen Konzept gibt es keine festen und in sich geschlossenen Gruppen wie im geschlossenen Kita-Konzept – nichtsdestotrotz gibt es sogenannte Bezugsgruppen: Einem Erzieher ist eine bestimmte Anzahl von Kindern zugeordnet. Der Erzieher macht die Eingewöhnung, ist erster Ansprechpartner für die Eltern und er leitet den Morgenkreis, der in der Bezugsgruppe stattfindet.

Die Räume sind keine Gruppen-, sondern Themenräume (z.B. Kreativraum, Rollenspielraum etc.). Die Kinder können recht selbstbestimmt wählen, wo, mit wem und was sie spielen wollen. Der Morgenkreis wird in der Bezugsgruppe abgehalten. Es gibt auch immer mal wieder extra Bezugsgruppenangebote, wo der Bezugserzieher mit seinen Kindern etwas unternimmt. Das ist meist die einzige Gruppenzeit.

Für die Mahlzeiten gibt es einen festen Zeitraum, in dem die Kinder selbst entscheiden können, wann sie zum Essen gehen. Dabei werden sie auch immer mal von den Erziehern daran erinnert. Dadurch muss also kein Spiel ad hoc unterbrochen werden.

Grundsätzlich ist jeder Erzieher für alle Kinder da – es gibt also immer einen verfügbaren Ansprechpartner. Durch die nicht vorhandene Gruppenstruktur kann auch besser auf Bedürfnisse einzelner reagiert werden z.B. beim Thema Mittagsschlaf. Die Kinder können – in Absprache mit den Eltern entscheiden, ob sie schlafen, ruhen oder wach bleiben wollen. Das war meine Rettung, echt. Der Widder schlief ja wochenends schon lange nicht mehr mittags – in der Kita aber zwei Stunden. Das bedeutete für uns, dass sie in der Woche selten vor 22 Uhr geschlafen hat. Damit war unsere Freizeit dahin, sie wiederum müde früh, wodurch sie den Mittagsschlaf natürlich wieder brauchte. Ein Teufelskreis!

Mein Fazit zu beiden Kita-Konzepten

Bis vor kurzem hätte ich gesagt, dass das geschlossene Konzept nur Vorteile hat. Ich glaube vor allem, weil es zwischen Kindern, Erzieher und Eltern so insgesamt einfach gepasst hat. Jetzt, wo ich das offene Konzept kenne, sehe ich viele Vorteile, vor allem für die Kinder. Im geschlossenen Konzept können sich die Kinder die Erzieher nicht aussuchen, entweder es passt oder nicht, dann gewöhnen sich die Kinder dran oder leiden im schlimmsten Fall – Wechsel sind häufig nicht möglich. Einen weiteren Nachteil sehe ich darin, dass die Umgebung recht „klein“ ist und dadurch auch die Spielmöglichkeiten begrenzt sind. Will ein Kind malen, muss erst alles hin geräumt werden, was auf Wunsch eines einzelnen vielleicht nicht unbedingt gemacht wird. Häufig kam mir das Spiel sehr strukturiert und vorgegeben vor. Zudem blieb in den kleinen Gruppenräumen oft die Bewegung auf der Strecke. Gut im Kindergarten gab es einen Toberaum, der aber begrenzt auf fünf Kinder war. In den Gruppenräumen war gar kein Platz zum wilden Spielen – gerade auch aus Rücksicht auf die anderen Kinder. Ruhige, schüchterne Kinder haben kaum Möglichkeiten sich zurück zu ziehen.

Mein Fazit zum geschlossenen Konzept

Die Vorteile des geschlossenen Konzeptes sehe ich darin, dass es sehr familiär ist. Die Erzieher kennen die Kinder ihrer Gruppe ganz genau, können sie besser beobachten und enger mit den Eltern zusammenarbeiten. Der Entwicklungsstand kann vermutlich besser eingeschätzt werden und Störungen/Rückstände werden eher erkannt. Als Eltern hat man einen konkreten, festen Ansprechpartner, der nicht nur die Kinder, sondern nach einer gewissen Zeit auch die Eltern gut kennt. Ich persönlich hatte immer das Gefühl, dass es eine Erweiterung der Familie ist statt einer „Fremdbetreuung“, was aber auch zu einem Großteil der guten Chemie zwischen Erziehern, Eltern und Kindern zu verdanken ist. Schwierig fand ich, dass viele Dinge vom jeweiligen Erzieher abhing, z.B. ob Mittagsschlaf gemacht werden muss oder in welche Richtung vor allem die Spielangebote gingen (z.B. eher musisch, naturwissenschaftlich etc.).

Mein Fazit zum offenen Konzept

Im offenen Konzept können die Kinder machen was ihnen Spaß macht – ohne Zwang und Druck.
Das Böckchen konnte ja schon immer super alleine spielen, das Widderchen leider gar nicht. Seit der neuen Kita kann sie das viel viel besser. Sie langweilt sich nicht mehr so schnell, weil sie sich auch in der Kita selber Aufgaben und Beschäftigung suchen muss/kann. Im geschlossenen Konzept wurde sie weit mehr bespaßt und es gab weniger Raum für Eigeninitiative. Durch die Gruppendynamik und die Altersdurchmischung lernen die Kinder sehr viel voneinander – die  Kleinen gucken sich (leider ;-)) alles von den Großen ab und die Großen lernen ganz selbstverständlich mehr Rücksicht zu nehmen.

Durch die Offenheit finden sich vor allem Kinder mit gleichen Interessen zusammen. Ich empfinde es aber für Neue schwierig Freundschaften zu schließen, weil sich ja niemand mit ihnen abgeben „muss“. Hier hängt die Integration sehr vom Engagement und dem Einfühlungsvermögen der Erzieher ab. Für meine Tochter ist es absolut kein Problem, da sie sehr offen ist – für schüchterne Kinder könnte es aber schwieriger sein Anschluss zu finden. Ich denke, dass im offenen Konzept die Gefahr besteht, dass schüchterne Kinder nicht genug auffallen und dadurch zu kurz kommen. Dafür haben Kinder, denen es vielleicht zu viel Trubel ist immer die Möglichkeit sich einen weniger belebten Ort zu suchen.

Die Mischung würde es machen.

Für die Kinder – vor allem im Kindergarten – favorisiere ich das offene Kita-Konzept, weil es den Bedürfnissen des Einzelnen gerechter wird und mehr „Anreiz“ für Selbstständigkeit gibt. Mir fehlt aber ein fester Ansprechpartner, der weiß, was meine Kinder gemacht haben – denn abhängig davon, wo mein Kind spielt, sieht der Bezugserzieher es vielleicht den ganzen Tag nicht. Das birgt für mich auch das Risiko, dass Störungen in der Entwicklung womöglich erst spät erkannt werden. Gerade in den ersten Jahren. Für die Krippe fände ich daher eine halboffene Variante besser. Sprich feste Gruppen, aber offene Spielzeiten. Dadurch gäbe es weiterhin quasi eine geschützten Raum mit festen Strukturen, aber durch offene Spielzeiten könnten die Kinder individueller agieren und auch die anderen Erzieher näher kennenlernen. Das ist nämlich auch ein Vorteil des offenen Kita-Konzeptes. Die Kinder kennen alle Erzieher und Krankheit, Urlaub und Kündigung fallen nicht ganz so schlimm ins Gewicht.

Das ist mein ganz persönliches Fazit, was natürlich entstand durch die Erfahrungen, die wir ganz individuell gemacht haben. Und ich möchte unbedingt hervorheben, dass es immer – egal ob offen oder geschlossen – mit der Qualität und Eignung der Erzieher steht und fällt.

Ich bin auch schon ganz gespannt auf eure Erfahrungen. Vielleicht sind ja unter euch sogar noch ganz andere Konzepte vorhanden. Wie sieht denn der Alltag z.B. in Montessori, Waldorf- oder Waldkindergärten aus? Was findet ihr am Kita-Alltag am Wichtigsten bzw. wie sieht eurere (Alb-)Traumkita aus?

bis bald

Julia.

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