Attachment Parenting oder mehr Bauchgegfühl

In der Neuzeit waren immer wieder andere Erziehungsstile “in Mode”. In meiner Kindheit und noch viel mehr in der Kindheit meiner Eltern herrschte die Ansicht vor, dass ein Kind als unbeschriebenes, weißes Blatt zur Welt kommt und durch Regeln, Strafen, aber auch Lob und Anerkennung geformt werden muss. Ein Kind musste funktionieren, angepasst sein und sich so verhalten, wie es die Eltern erwarten. Diese Auffassung ist heute erfreulicher Weise mehr und mehr im Wandel – eine Strömung ist das sogenannte Attachment Parenting.

Zu viel Nähe schadet vs. Attachment Parenting

Damals, auch noch in meiner Babyzeit, war es üblich, dass die Babys nach der Geburt im Krankenhaus nicht bei den Müttern waren/blieben. Aller vier Stunden wurden die Kinder zum Stillen an die Mütter ausgegeben und nach 20 Min. den Müttern wieder abgenommen. Für mich eine gar schreckliche Vorstellung – bestimmt auch für viele Mütter dieser Zeit. Aber es war halt gang und gäbe.Weiter ging es mit dem Schreien. Ihr kennt ja vielleicht auch noch den Ausspruch: Schreien kräftig die Lungen (diese Ansicht hielt sich ja ewig). Oder auch, wenn man auf jedes Schreien reagiert, das Kind mit Nähe verwöhnt und so weiter, das Kind zu einem verwöhnten Plag heranzieht, dass Grenzen und Bedürfnisse anderer nicht respektieren kann und ewig an Mamas Rockzipfel hängt.

Heute weiß man, dass Schreienlassen riesigen Stress für das Kind bedeutet und die Eltern-Kind-Beziehung nachhaltig stören kann. Traurig genug, dass in den westlichen Ländern immer noch erwartet wird, dass schon Babys durchschlafen und, dass das mit kontrolliertem Schreien lassen durchgesetzt wird (Stichwort: Ferbern bzw. Jedes Kind kann schlafen lernen). Das Kind resigniert und verliert im schlimmsten Fall sein Urvertrauen. Nun wird bestimmt nicht gleich jedes Kind zu einem psychischen Krüppel mit Minderwertigkeitskomplexen und dem Drang jedem zu Gefallen, da sicher noch mehr Faktoren reinspielen und es auch von der Mentalität des Kindes abhängt. Doch gesund ist das sicher nicht. Aber was ist dann richtig?

Attachment Parenting und die Würde des Kindes

Ich sage richtig ist, was sich im Bauch und im Herz richtig anfühlt und was die Bedürfnisse des Kindes so gut es geht erfüllt. Aber, und das ist ein bisschen das Problem unserer Zeit, es gibt zu viele Informationen, zu viele Meinungen und viel zu viele Dogmen, die unser Bauchgefühl trüben. Da fällt es manchmal schwer unvoreingenommen zu sein und nur in sich rein und nicht auf andere zu hören.

Neumodisch nennt man die “Erziehung” mittels Bauchgefühl und Bedürfnisorientiertheit übrigens Attachment Parenting. Attachment Parenting wird zusätzlich auch mit folgenden Dogmen in Verbindung gebracht: Stillen unbedingt und nach Bedarf, Familienbett, Stoffwindeln/Windelfrei, Tragen, BabyLedWeaning, Impfen – nein Danke und so weiter. Vieles davon gehört/gehörte zu unserem Attachment Parenting-Alltag, ABER was für uns gilt, muss nicht für alle anderen gelten. Für mich bedeutet Attachment Parenting in erster Linie: Das Kind und seine Bedürfnisse wahr und ernst zu nehmen und seine Würde und Integrität nicht zu verletzen. Für mich heißt es seine eigenen Bedürfnisse zu Gunsten des Kindes auch mal zurückzunehmen, aber nicht bis zur totalen Selbstaufgabe. Es bedeutet mMn das zu finden, was für die jeweilige Familie passt, aber immer mit Rücksicht auf gerade genanntes. Was es für mich nicht bedeutet? Keine Grenzen zu setzen und das Kind einfach machen zu lassen, das Kind nicht zu fordern und zu fördern (und damit meine ich jetzt nicht Kleinkind-Englisch oder dergleichen 😉 ). Und es heißt auch nicht dogmatisch meine Ansichten in die Welt zu tragen und mich für der Weisheit unendlicher Quell zu halten.

Das Thema ist natürlich ein weites Feld und zeitnah würde ich gerne auf einige Punkte näher eingehen. Für heute soll es das aber gewesen sein.

Einen guten Überblick was Attachment Parenting alles umfasst, gibt es bei Alles über Kinder (klingt stellenweise nicht ganz unkritisch, gibt aber einen ganz guten Überblick!)

Bis dahin.

Julia.

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