Das Wunder der Selbstständigkeit

Fast Einunddreißig Monate – 2,5 Jahre – ist das Krümelkind alt und immer wieder staune ich über die Entwicklungsschritte, die selbst im Kleinkindalter noch so augenscheinlich, so überraschend und plötzlich sind.

Es gibt keine Trotzphase nur das Streben nach Selbstständigkeit.

Das Thema Trotzphase will ich gar nicht groß ausbreiten, sondern nur zustimmend nicken, ob der These, dass es eben selbige gar nicht gibt. Was hatten wir für aufbrausende Stürme…und rückblickend bin ich heilfroh, dass das Kind sich schon so wunderbar mitteilen kann. Was für verheerende Tornados wären es sonst geworden, wenn sie nicht hätte sagen können, was sie stört. Rätselnd hätten wir dann vor ihr gestanden und ihren Ausbruch hilflos mit angesehen. Wirklich – und das meine ich nicht von oben herab – mir tun alle Eltern leid, deren Kinder in dieser Phase noch nicht so gut sprechen können. Ich meine, wer kann schon ahnen, dass eine bereits geschälte Banane für minutenlanges Weinen, Schreien und Toben verantwortlich sein kann. Der Krümelkeks konnte/kann eben sagen, ‘Ich wollte das machen, mach die Banane wieder zu!’.

Und da sind wir schon am Kern der sogenannten Trotzphase: Selbermachen! Zu 70 % – so behaupte ich anhand meiner Beobachtungen – waren die trotzigen Anfälle Ausdruck des Autonomiebestrebens. Die übrigen 30 % gingen auf das Konto – ich will etwas anderes, als du willst. Zugegebenermaßen waren diese 30 % die wirklich anstrengenden, aber eben auch nur Ausdruck von Bestrebungen autonom zu handeln.

Jetzt werde ich doch wieder weitschweifig – dieser Artikel sollte eigentlich nur eine Ode an die Selbstständigkeit meiner Tochter werden. Deswegen versuche ich jetzt mal zurück zum Thema zu gelangen *haha*

Bett

Selbstständigkeit 2.0 – Das kann ich schon alleine

Unser Selbstständigkeitsthema Nummer 1 ist zur Zeit das Anziehen. Und was soll ich sagen: Sie kann es ganz alleine! Von der Schlüpper bis zur Jacke (und das war das Überraschende in der letzte Woche) – und auch umgedreht: Ausziehen von der Jacke bis zum Schlüpper!

Ein perfekter Wochentags-Morgen läuft wie folgt ab:

  • Kind wacht zwischen 6.20 Uhr und 6:45 Uhr von selber auf – Sie aufzuwecken ist nämlich mühsam, auch wenn es meist noch ein Ründchen Kuscheln nach sich zieht (wobei ich da ständig auf die Uhr schiele)
  • Kind geht ins Bad, stellt sich ihren Hocker vors Klo, zieht Schlanfanzughose, Windelhose und Windel aus und geht pullern.
  • Kind nimmt Windel, Windelhose und Schlafanzughose und geht in ihr Zimmer.
  • Im Zimmer nimmt sie sich ihr Tagesoutfit (welches ich dort platziert habe) von der Garderobe.
  • Sie zieht Schlüpfer, Oberteil, Socken und Hose an (Oberteil und Hose nicht zwangsläufig richtig rum).
  • Sie kommt ins Wohnzimmer und fragt nach Kornfläksen.
  • Wir gehen in die Küche. Ich reiche ihr eine Schüssel. Öffne ihr die Kornflakes – sie nimmt sie mit der Hand raus (hat sich als effektiver herausgestellt, als sie zu schütten). Ich räume die Tüte wieder weg, während Krümel zum Kühlschrank geht, diesen öffnet, sich darüber beschwert, dass sie immer noch nicht gewachsen ist und somit nicht an die Milch kommt. Ich reiche ihr die Milch und schließe den Kühlschrank. Sie geht zurück zu ihrem Tischchen, wo die Schüssel wartet. Sie öffnet die Milch, schüttet sie ein, schließt sie wieder. Während ich die Milch wieder wegstelle, sucht sie sich aus der Schublade einen Löffel aus. Und sucht, und sucht…
  • Das Krümelkind schnappt sich ihre Schüssel und trägt sie mittlerweile unfallfrei ins Wohnzimmer.
  • Im Wohnzimmer stellt sie ihre Schüssel auf ihren Tisch, setzt sich an selbigen und isst.
  • Wenn noch Zeit ist schauen wir anschließend noch ein Buch an.
  • Dann geht’s ans Anziehen: Sie nimmt sich ihre Schuhe, zieht sie an. Zieht sich ihre Halssocke über den Kopf. Setzt sich die Mütze auf. Und dann kommt der Clou: zieht sich selbst die Jacke an und schließt den Reißverschluss!!!
  • Sie öffnet die Tür, wartet an der Treppe auf mich, ich schließe ab und wir gehen zusammen in die Kita.

Und ja, sie kann sich auch die Jacke ausziehen. Ich bin wirklich begeistert und muss an dieser Stelle wieder mal der Kita danken. Auf den Trick mit der Kapuze wäre ich ja nie im Leben gekommen. (Die Taktik des Jacke Anziehens: Kapuze auf den Kopf, Arm in den einen Ärmel und dann nach dem anderen Ärmel hangeln.)

Und noch mal ja, nicht jeder Morgen läuft so selbstständig und harmonisch ab. Erst heute wollte sie beim Anziehen wieder Hilfe. Das ist für mich zwar nicht ganz so bequem, aber ich helfe ihr doch gerne. Sie werden doch so schnell groß *schnief*

Garderobe

Selbstständigkeit 2.0 – Das kann ich auch alleine

Ach wenn man sich das mal überlegt, was diese kleinen Mäuse schon so alles alleine können. Ja ja, vielleicht ist das ganz normal, aber bei meinem Erstling ist für mich alles neu und bestaunenswert.

Mmmh mal überlegen, was mir so einfällt:

  • Tischdecken
  • Auf Toilette gehen
  • Hände waschen
  • Anziehen
  • Essen/Trinken
  • Eingießen/Umschütten
  • Malen/Spielen/Buch “lesen”
  • Geschichten erzählen/erfinden
  • Singen, Tanzen, Liedtexte merken
  • Nachts mit einem Kissen und zwei Kuscheltieren ins Elternbett klettern
  • das Musikabspielgerät/Tablet bedienen
  • Ins Bett gehen
  • Türen öffnen/schließen
  • Auf ihren Stuhl klettern
  • sich bedanken und um etwas bitten (und zwar ganz ohne dieses furchtbare “Zauberwortgedöns”)
  • Helm aufsetzen und zu machen

Ach in diese Liste muss bestimmt viel mehr, aber so viele Kleinigkeiten sind ja längst selbstverständlich geworden.

So jetzt bin ich aber neugierig, was können eure Kinder denn schon so ganz allein? Welche neue Fähigkeit hat euch in der letzten Zeit umgehauen? Bei mir war es übrigens, außer der Selbstständigkeit beim Anziehen, die Malkünste des Krümels. Sie wollte ja immer, dass man ihr ein “Mondgesicht” vormalt und dann war sie super ehrgeizig und wollte das unbedingt nachmalen. Das Ergebnis muss ich euch einfach mal zeigen:

Kruemelkunst

Sie ist insgesamt eher der Feingeist. Wer ein Instrument spielen kann oder mit ihr singt und tanzt, hat sofort einen festen Platz in ihrem Herzen. Liedtexte und Melodien kann sie nach wenigem Hören. Neuer Text auf bekannte Melodien? Kein Problem. Oh das war jetzt eine kleine Ode an mein Krümelkind ❤❤❤❤!! Somit gilt: Alle mathematische, naturwissenschaftliche Hoffnung ruht nun auf dem Bauchzwerg *haha* 😉

So und nun bis bald

Julia.

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