Die Facebook-Reichweite: Schenk mir dein „Like“!

Immer häufiger lese ich es: „Wenn dir mein Beitrag gefällt, dann schenk mir ein Like/Gefällt mir/Däumchen, weil die Reichweite so grottig ist“! Mich persönlich nervt es! Für mich hat es einen negativen Beigeschmack á la fishing for compliments. Vielleicht fühle ich mich unterbewusst auch dazu genötigt den Beitrag zu liken und denke mir, wenn mich dein Beitrag überzeugt, dann bekommst du auch ein Däumchen (und mit Däumchen bin ich persönlich nicht geizig). Viele Beiträge haben es meiner Meinung nach auch gar nicht nötig nach Likes zu betteln. Genau deswegen werde ich heute ein wenig Off-Topic und möchte euch ein bisschen was zum Thema Facebook-Reichweite erzählen und erklären.

Ja, die organische Reichweite ist gesunken

Das Facebook den Newsfeed Algorithmus geändert hat und seitdem die sogenannte organische Reichweite gesunken ist, ist gemein hin bekannt und auch zu sehen. Oder anders gesagt: Ja, die organische Reichweite ist zum Teil drastisch gesunken. Vielleicht ist es aber sinnvoll an dieser Stelle die Begriffe Newsfeed und organische Reichweite zu  erläutern.

Newsfeed ist ganz einfach das, was an Beiträgen und Nachrichten in eure Timeline eingespeist wird. Was in eurer Timeline, respektive in eurem Newsfeed, angezeigt wird, entscheidet dieser ominöse Newsfeed-Algorithmus anhand zahlreicher Kriterien. Immer darum bemüht euch in der schier endlosen Fülle an Neuigkeiten möglichst relevante (gemessen an euren Interessen) Beiträge zu präsentieren. Laut Facebook wäre es ohne diesen Algorithmus möglich bis zu 15.000 Beiträge jeden Tag zu präsentieren.

Die organische Reichweite ist nichts weiter als die kostenlose Reichweite, die eure Beiträge erreicht haben/erreichen bzw. die Reichweite innerhalb der „Fangemeinde“. Diese erhöht sich durchaus durch die Interaktion mit euren Beiträgen, da die Beiträge so auch anderen zugänglich gemacht werden (z.B. den Freunden des Fans).

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Sind Likes und Kommentare wirklich ausschlaggebend?

Facebook ist first of all ein soziales Netzwerk und keine Werbeplattform und genau auf diese soziale Komponente wollte sich Facebook zurück besinnen. Das heißt Beiträge eurer Freunde bekommen einen höheren Stellenwert als die Beiträge von Facebookseiten. Bei den Beiträgen eurer Seiten entscheiden nun Qualität und Interaktion (oder Investition ;)).

Ich sehe auch in meiner Statistik, dass Beiträge mit hoher Interaktion mehr Leute erreichen, als die mit wenigen Likes und Kommentaren. Aber schaut man genau hin ist eine hohe Interaktionsrate kein Garant für eine hohe Reichweite.

Mal ein paar persönliche Beispiele:

Mein Beitrag zum Böötchen-Gewinnspiel hatte z.B. 90 Beitragsklicks und 115 Interaktionen (Gefällt mir-Angaben, Kommentare und geteilte Inhalte) bei einer Reichweite von ca. 1200 Personen.

Der Beitrag mit dem Link zu meinem Blog-Beitrag „1+1=4“ hatte 549!! Beitragklicks und „nur“ 63 Interaktionen (Gefällt mir-Angaben, Kommentar und geteilte Inhalte) bei einer Reichweite von ca. 3200 Personen.

Selbst mein kleiner Beitrag zu Krümels Ironie-Missverständnis, der „nur“ 23 Interaktionen hat, hat mittlerweile 1000 Personen erreicht!

Das zeigt ganz deutlich, dass Likes und Kommentare alleine kein Garant für eine hohe Reichweite sind! Also bettelt bitte nicht darum. Der Trick ist Content zu generieren, der die Follower interessiert –> sie sollen euren Beitrag lesen, das zusammen mit der nötigen Interaktion generiert eine hohe Reichweite.

Natürlich möchte ich hier außerdem zu bedenken geben: Wenn du 500 Leute erreichst, aber nur 250 Follower hast, dann hast du quasi 250 Leute außerhalb deiner Fanbase erreicht! Nicht schlecht oder?!

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Der Nutzen der Reichweite

Und jetzt komme ich auf den Punkt auf den ich eigentlich raus möchte. Was nützt euch eine Zahl von 5000 erreichten Personen, wenn davon 4800 Personen nicht eure Zielgruppe sind. Mehr als die Quantität ist hier also die Qualität entscheidend. Oder noch anders: Was wollt ihr mit euren Beiträgen erreichen? Wenn ihr wollt, dass möglichst viele Menschen eure Beiträge sehen, dann ist eine hohe Reichweite natürlich interessant.

Wollt ihr eure Dienstleistung oder euer Produkt an den Mann bringen, dann ist die Qualität eurer „Leserschaft“ um einiges wichtiger. Denn ein Beitrag der 20 Leute z.B. zum Kauf anregt ist mehr wert, als einer der 150 mal gelikt wird. Ich denke ihr versteht, worauf ich hinaus will.

Tipps für mehr Reichweite und  NO-GOs!

Gebt euren Followern, was sie wollen und ihr werdet dafür belohnt werden.

Mehrwert bieten

Das geht immer und ist eigentlich immer ein Garant für eine gute Reichweite. Aber was ist Mehrwert? Mal ein fiktives Beispiel: Ihr habt mal wieder an einem Probenähen teilgenommen und dürft nun endlich euer Ergebnis veröffentlichen (so wie die restlichen vierzig Probenäher auch = große Konkurrenz) – ihr habt die Nase vorn, wenn ihr hier einen Mehrwert bietet, z.B. einen Tipp, wie man Stoff sparen kann oder ihr habt eine Paspel vernäht und erklärt schnell noch, wie man die selber machen kann. Ihr habt einen ganz anderen Stoff benutzt, als für den Schnitt vorgesehen und gebt eure Erfahrungswerte wieder etc. Das muss ja nicht bei jedem Beitrag der Fall sein, aber immer mal wieder… Mal ein echtes Beispiel: Mamahoch2 posten gerade sehr viele Links zu Blogbeiträgen mit Tutorials à der Mehrwert? sie präsentieren dort Tutorials wie ihr ihre Schnitte anpassen, pimpen und kombinieren könnt. Ich wette die Reichweite ist riesig!

Posts verbessern

Ihr habt einen Beitrag erstellt und erreicht vielleicht nur 20 % eurer Fanbase? Vielleicht müssen eure Postings einfach nur optimiert werden. Dazu müsst ihr natürlich herausfinden, was euren Fans gefällt. Wollt ihr dafür ein paar Euronen in die Hand nehmen, dann empfehle ich euch den A/B-Test zu machen. Um es nur kurz zu umreißen: Ihr erstellt mehrere Beiträge mit demselben Inhalt, variiert aber den Aufbau (Ausdruck, Textlänge, Bilder, Links) und veröffentlicht diese. Im Verlauf seht ihr, welche Variante die meisten Personen erreicht hat und könnt diese in eurem Newsfeed veröffentlichen (da ihr ja aber die organische, respektive die kostenlose Reichweite verbessern wollt, kommt das sicher für die meisten unter euch nicht in Frage).

Die zweite Variante: schaut euch in der Statistik an, welche Beiträge eine hohe Reichweite erreichen und vergleicht, was sie gemeinsam haben bzw. was die Beiträge mit niedriger Reichweite nicht haben. Z.B. wollen eure Fans vielleicht lieber lange, statt kurze Texte (oder umgedreht), mehr statt weniger Bilder. Natürlich macht auch der Inhalt einiges aus. Postet ihr z.B. täglich eine neue Hose, die ihr gerade genäht habt, wird es den Lesern vielleicht irgendwann langweilig. Versucht dann lieber zu sammeln und veröffentlicht einen Beitrag zu den letzten fünf Hosen. Ihr versteht sicher was ich meine – also setzt euch mit eurer Statistik auseinander.

Zur richtigen Zeit am richtigen Ort

Ganz wichtig ist, den richtigen Zeitpunkt der Veröffentlichung zu erwischen. Man sagt, dass ein Facebookpost gerade mal eine Halbwertzeit von 90 Minuten hat. Da scheint es logisch, dass der richtige Zeitpunkt wichtig ist. Dabei hilft euch ebenfalls eure Statistik weiter. An welchem Tag, zu welcher Zeit sind die meisten eurer Fans online? Beobachtet aber auch hier die Konkurrenz! Um z.B. mal wieder zu dem Probenähbeispiel zurück zukommen. Ihr bekommt das Go! eure Ergebnisse zu veröffentlichen?! Dann warte noch! Veröffentlicht ihr alle zur selben Zeit, dann geht dein Beitrag vielleicht unter. Veröffentliche es dann lieber zwei, drei Tage später, dann bist du immer noch aktuell genug!

Was eure Reichweite verkleinert

  1. Link-Baiting = in Beiträgen aktiv um Likes Betteln!!! (keine Angst, wenn ihr zu Interaktion oder Dialog auffordert oder wenn ihr ab und zu mal aktiv nach einem Like fragt)!
  2. Frequently Circulated Content = Inhalte, die schon sehr oft im Netzwerk erscheinen (also z.B. lustige Videos teilen etc.)
  3. Spammy Links = Posts, die auf vermeintlich interessante Links hinweisen, bei denen sich nach dem Klick jedoch Seiten verbergen, die zum Großteil nur aus Werbung bestehen.

Fazit

Ich persönlich kann mich über meine Reichweite nicht beschweren. Je nach Beitrag erreiche ich ein Vielfaches der Menge meiner Follower (bei oben genanntem Beitrag sogar die 13-fache!!!) oder im schlechtesten Fall 80% meiner Follower! Daraus kann ich sehr gut ablesen, was ihr lesen wollt und was euch nicht so interessiert. Das versuche ich in den meisten Fällen zu berücksichtigen.

Ich verstehe aber in gewisserweise auch den Unmut über die sinkende Reichweite: Niemand will plötzlich für etwas bezahlen, was er bisher kostenlos bekommen hat. Aber ich sage: 1. geschenkt, ist geschenkt und sich darüber zu beschweren, dass man plötzlich weniger geschenkt bekommt, ist definitiv ein “1st World-Problem” – zumal ihr ja nun gesehen habt, dass ihr eure Reichweite auch ein bisschen selbst in der Hand habt. 2. Gäbe es keinen Newsfeed, der euch jetzt vielleicht hier und da mal rausfiltert, wäre eure Reichweite vermutlich noch schlechter. Denn dann würdet ihr in der Fülle der Neuigkeiten noch viel mehr untergehen. 3. Wenn es so einfach wäre sich erfolgreich bei Facebook zu etablieren, dann gäbe es vermutlich nicht so viele Agenturen, die sich mit den Social Media Marketing beschäftigen bzw. umfangreiche, langfristige Kampagnen ausarbeiten. Und große Unternehmen bezahlen viel Geld dafür! 4. Facebook ist ein börsennotiertes Unternehmen. Für seine Aktieneigener muss es auch Gewinne erwirtschaften.

Du willst mehr Reichweite in kurzer Zeit ohne großen Einsatz? Dann kauf es dir! Aber beachte, dass die Masse an erreichten Personen vielleicht gar nicht den Effekt haben, den du dir wünschst (z.B. Aufträge, Kauf etc.) oder deine Seite plötzlich so groß machen, dass es zuviel für dich wird!

Ich hoffe ich konnte euch ein bisschen Licht in das ominöse Dunkel der organischen Reichweite bringen. Vertraut auf das was ihr macht, bettelt nicht um Anerkennung!!

Bis bald

Julia.

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