Die Ottobre-Odysee

Als Dankeschön habe ich von meiner lieben PEKiP-/Zoo-/Baby-/Näh-Freundin Antje die Ottobre 01/2015 geschenkt bekommen. Ein Magazin voller toller Schnittmuster. Besonders angetan hatte es mir der Glitter Blouson, den wollte ich unbedingt nachnähen – nur ja nicht in rosa! Hellblau/mint sollte es werden (und ja ein klitzekleines bisschen rosa ist auch dabei).

Projekt Blouson konnte also starten: Doch bis zum fertigen Produkt war es ein weiter und steiniger Weg. Aber lest selbst:

Die Stoffe – Level easy!

Erfreulicherweise enthält die Ottobre ziemlich genaue Angaben darüber, was für Stoff und wie viel man jeweils davon benötigt. Daher konnte ich ziemlich passgenau bestellen (auch wenn ich keine Ahnung hatte, was ich bestellen muss, wenn ich Outdoorstoff will).

Folgende Stoffe gelangten in meinen Besitz:

  • Hellblauer Nylonstoff (der leider etwas crinkelig ist und dadurch immer etwas ungebügelt aussieht, dafür ist er aber wasserabweisend – also zumindest hat die Jacke schon einem Platzregen standgehalten)
  • Als Futterstoff: hellgrauer Baumwollstoff mit zarten Blümchenranken in hellblau, dunkelgrau und rosa
  • Die Bündchen sind passend dazu hellgrau und hellblau
  • Als Highlight: eine Reflektor-Paspel

Die Stoffe waren also schnell beisammen, weiter ging es mit dem Schnittmuster. Achtung Spoiler! Herausforderung Nr. 1 😀

Das Schnittmuster – Level: Wie Bitte?

Da war sie die erste Hürde – das Schnittmuster. Ich hab am Anfang vor lauter Linien die Linien nicht gesehen. Also ich bin ja nur die tollen eBooks gewöhnt, wo nur ein Schnitt drin ist – im „schlimmsten Fall“ mehrere Größen auf einem Bogen, aber auch da farblich abgesetzt und genau beschriftet. Aber hier lagen ja gefühlt 20 Schnittmusterlinien kreuz und quer übereinander. Da stand ich nun davor und war mir nicht so ganz sicher, wie ich das Schnittmuster von dem Bogen runter bekommen soll. Ich glaube mein erster Blick auf solch einen Schnittmusterbogen ließ mich jahrelang glauben, dass Nähen höchst kompliziert sei. Danke, ihr lieben eBook-Ersteller, dass ihr mir diesen Zahn gezogen habt ♡!

Ich war drauf und dran mir Schnittmusterpapier zu kaufen – mich darüber ärgernd, dass das verhältnismäßig teuer ist. Ich fragte also meinen besten Freund: Prof. Google, der teilte mir dann auch noch mit, dass eben dieses Papier wohl auch schnell reißt (geht gar nicht mit Kamikatze zu Hause) und außerdem immer verrutscht. Da gab mir Prof. Google den entscheidenden Tipp: Mülltüten!

Und was soll ich sagen, das ging wirklich wunderbar. Mülltüte aufgeschnitten und draufgelegt. Die Linien mit Edding auf die Folie gemalt und anschließend ausgeschnitten. Das war nicht nur günstiger als jedes Schnittmusterpapier, sondern hatte auch den Vorteil, dass die Folie dank statischer Aufladung super am Schnittmusterbogen haftete und kaum verrutschte.

Schnittmuster übertragen: Check! Herausforderung Nr. 1 erfolgreich gemeistert.

Der Zuschnitt – Level: Kinderkacke

EasyPeasy war dagegen der Zuschnitt! *Harhar* Auch hier war die statische Aufladung der Mülltüte sehr von Vorteil. Auflegen, rubbeln zum Aufladen, rollschneidern *tadaaa*. Hilfreich war natürlich auch, dass in der Ottobre genau aufgelistet war, welches Teil aus welchem Stoff zugeschnitten werden muss. Ich habe also die Liste einfach abgearbeitet. Zuschnitt: Check!

Das Nähen – Level: Bahnhof!

Also ich dachte ja schon, dass das Schnittmuster ab zu zeichnen eine Herausforderung war, aber das Nähen war noch mal einen Zacken schärfer. Zu meiner Verteidigung muss ich aber sagen, dass natürlich auch das Schnittmuster, was ich mir da ausgesucht habe, nicht das einfachste war – also so für den ersten Ottobre-Versuch.

Auch hier bin ich ja dank der liebevollen eBooks was ganz anderes gewohnt: Bilder zu einzelnen Schritten, ausschweifende Erklärungen und eine hilfreiche Community im Hintergrund. Nun, also in der Ottobre gibt es natürlich auch eine Anleitung, wie, wann, was zusammengenäht werden muss, aber so ohne Bilder und ohne ausschweifende Erklärung, der mir teilweise unbekannten Fachbegriffe (obwohl man es eigentlich kennt, nur eben nicht unter diesem Begriff), puuuhh! Am Anfang habe ich passagenweise nur Bahnhof verstanden (auch nach dem dritten und vierten Mal lesen). Na ja, insgesamt hat das Nähen drei Tage gedauert. Ich habe mir abends auf der Couch immer wieder die Erklärung durchgelesen und versucht alles zu verstehen und mir Stichpunkte zu machen. Manchmal leuchteten riesige Fragezeichen über meinem Kopf – und beim nächsten Lesen, vornehmlich am nächsten Tag, war plötzlich alles klar. Mühsam nährt sich das Eichhörnchen!

Es war wirklich nicht einfach, aber ich bin sehr stolz, dass ich mich da durch gewurschtelt habe. Ich habe definitiv dazugelernt und traue mich, trotz der teils traumatischen Erfahrungen *höhö* sicher wieder mal an ein Ottobre Schnittmuster (in der Ausgabe sind ja noch einige schöne drin, wenn nur nicht schon so viel anderes auf meinem Tisch liegen würde).

Übrigens: Nicht, dass ihr euch wundert: Beim Kragen habe ich mich gegen die Mädchenvariante beim Glitter Blouson entschieden und die Jungenvariante genommen (ebenfalls im Heft enthalten) – das sah mir lässiger aus.

…und dazu eine Tuula

Da ich von dem Baumwollfutterstoff noch reichlich übrig hatte, habe ich noch nach einem Schnittmuster gesucht, was zum Blouson passt und was sich aus nicht-dehnbaren Stoffen nähen lässt. Ach und dann ist es doch passiert – ich habe mir das Tuula-Schnittmuster von MeineHerzenswelt gekauft (das Kombi-eBook in lang und kurz) – wiederum mal wieder, weil mir die im Probenähen entstandene Version von Tollkind so gefallen hat.

Seht ihr, liebe Schnittmusterersteller, die Probenäher helfen euch nicht nur bei der Perfektion eurer Schnittmuster, sondern auch dabei, sie zu verkaufen. ;D

Das eBook ist, wie von MeineHerzenswelt zu erwarten, super verständlich, detailliert und variantenreich – Eine Wohltat nach der Ottobre-Odysee. Ich empfehle es sehr (wie eigentlich alle eBooks von MeineHerzenswelt)! Kombiniert habe ich das ganze mit einem Jeansstoff und hellblauem Schrägband. Als Taschen habe ich mich für die seitlichen Eingrifftaschen entschieden und diese ganz einfach mit Beleg umgenäht. Insgesamt also sehr schlicht gehalten. Die Beinabschlüsse hätte ich etwas mehr kräuseln können, aber ich war mir unsicher, weil der Krümel ja etwas kräftigere Oberschenkel hat und ich wollte nicht riskieren, dass es dann zu eng wird.

So jetzt will ich euch aber endlich auch die Ergebnisse zeigen:

Bis bald.

Julia.

One Comment

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

*

Ich stimme den Datenschutzeinstellungen nach DSVGO zu.