Die ersten Tage: Wochenstation im KH Friedrichstadt

Der Zwerg hält gerade noch ein Vormittagsschläfchen. Eine gute Gelegenheit mal wieder ein paar Worte aus mir sprudeln zu lassen. Am besten ich fange kurze nach dem Anfang an.

Die ersten Tage: Wochenstation im KH Friedrichstadt

Nachdem ich im Aufwachraum schon wieder mit den Füßen (nicht aber mit den Zehen – sehr merkwürdiges Gefühl) wackeln konnte, durfte ich auf Station in mein Einzelzimmer. Ich wurde also durchs halbe Krankenhaus geschoben. Jeder, dem ich zwischen OP und Wochenstation begegnete, gratulierte mir herzlich zu meinem Riesenbaby und bestärkte mich darin, dass der Kaiserschnitt die richtige Entscheidung war – scheinbar war also der “kleine” Krümel das Gesprächsthema zwischen Haus M und Aufwachraum im Krankenhaus Friedrichstadt.

Am 14. Januar haben wir uns also kennengelernt und unser erstes gemeinsames Nest bezogen. Wie es meine Intention war, war es recht ruhig auf Station. Ich glaube zu Stoßzeiten waren wir drei Mütter. Das Einzelzimmer hätte ich mir also wahrscheinlich sparen können. Wie die erste Nacht verlief, weiß ich gar nicht mehr. Ich weiß nur, dass der Krümel in meinen Armen und an meiner Brust schlief und das ich sehr sparsam auf den Schmerzmittelknopf drückte, auch wenn ich Schmerzen hatte. Die schlimmsten Schmerzen kamen allerdings zu diesem Zeitpunkt nicht von der OP, sondern es waren diese extremen Nachwehen…Hallelujah!!! Ich hatte also nicht nur Schmerzen vom Kaiserschnitt, sondern bei jedem Anlegen auch Nachwehen, die schmerztechnisch Geburtswehen in nichts nachstanden – und hey die hielten ja auch nur 4 Tage an und Gott sei Dank habe ich ja auch nicht quasi rund um die Uhr gestillt *Ironieoff*

Tag 1: 15.01. – Das erste Mal aufstehen

Am nächsten Morgen lernte ich die Frühschicht kennen, die mich fast in gleicher Konstellation durch den Krankenhausaufenthalt begleiteten. Das waren die nette Krankenschwester mit ihrer echten, aufmunternden Art, die Kinderkrankenschwester, die mit ihrer fröhlichen und gelassenen Art auch in bangen Situationen keine großen Sorgen aufkommen ließ und die Hebammenschülerin, die mit ihrer mütterlichen, fürsorglichen Art Geborgenheit vermittelte. Erste und letzte säuberten mich an jenem ersten Morgen und wechselten meine Unter- und Vorlagen. Sie drohten mir schon an, dass nach Frühstück und Visite die Physiotherapeutin kommt, um mit mir aufzustehen. Dann wurde noch Blutdruck gemessen, Blutzucker kontrolliert und mir eine Heparinspritze ins Bein gejagt. Der Krümel wurde zum Hörtest und Fiebermessen entführt, währenddessen ich frühstückte. Danach stillten wir wieder.

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Ich erfuhr dann nebenbei, dass das Schmerzmittel, dass ich via Schmerzmittelknopf bekam ein Lacher ist und ich jetzt gern aller drei Stunden im Wechsel mit Ibuprofen und Paracetamol vollgepumpt werden könnte – Make it so! Das half ausnehmend, aber leider nicht gegen die Nachwehen.

In der Zwischenzeit kam der Papa und leistete uns Gesellschaft. Es war ja Freitag und der große Krümel in der Kita. Dann kam die Stunde der Wahrheit und die Physiotherapeutin trat auf den Plan…Oh Mama es tat so weh, schon allein sich aus dem Liegen auf den Bettrand zu setzen (das hat mir übrigens am längsten Probleme bereitete) und dann Aufstehen. *HimmelArschundZwirn*! So und dann sollte ich *hierbittehysterischesLachendenken* ein paar Schritte gehen. Daraus wurde “leider” nichts, da ich ja noch am Tropf hing und sie mich nicht so schnell abstöpseln konnten *ohschade*. Ich durfte mich wieder hinlegen und dankte der Ringerlösung, die langsam in meine Adern floss (und im Übrigen dafür sorgte, dass ich noch mehr Wasser einlagerte – Knöchel wo seid ihr!!). Ich durfte meinen Katheter noch bis zum nächsten Morgen behalten.

Am Nachmittag kam der Papa noch mal mit dem großen Krümel vorbei. Sie konnte 1. nicht verstehen, dass Mama nicht so kann, wie sie will und 2. langweilte sie sich schnell. So war der Besuch kürzer als gedacht und mir kullerten die Tränen. Ich vermisste meine Große so sehr und hatte schon nach so kurzer Zeit das Gefühl, dass wir plötzlich meilenweit voneinander entfernt sind.

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Tag 2: 16.01. – Katheter Adé

Die Nacht war recht unruhig. Der Zwerg wollte immer nur Stillen und war nie zufrieden (Ich ahnte schon, was da kommen wird, war aber noch zu sehr mit mir beschäftigt). Die Nachtschwester versuchte immer wieder den Zwerg in sein Beistellbett zu legen, aber ich bestand darauf ihn im Arm zu haben (an Tag drei hat Sie es übrigens geschafft, indem sie ihre Chance nutze, während ich auf Toilette war).

Am Morgen kamen wieder meine drei Lieblingsservicekräfte: Temperatur, Blutdruck und Blutzucker wurden gemessen und Heparin wurde mir gespritzt. Ich wurde untenrum sauber gemacht und der Katheter wurde mir gezogen. Der Krümel wurde zum Stoffwechseltest/Temperatur- und Blutzuckermessen entführt. Währenddessen stand ich nun zum erste Mal vor dem Bett. Dank Schmerzmittel war es größtenteils nur ein komisches Gefühl. Mit zitternden Knien war ich pullern, hab mich voll altmodisch mit einem Lappen gewaschen und Zähne geputzt. Dann durfte ich wieder ins Bett frühstücken. Von da an hieß es wieder allein pullern gehen. Als ich dann fragte, ob ich klingeln soll, wenn ich mal muss, hieß es: Nö, das können sie schon ganz alleine. Übrigens dauerte es ein bisschen bis ich den Harndrang wieder richtig gefühlt habe, die ersten Tage war es mehr eine wage Ahnung oder anders gesagt, wenn ich das Gefühl hatte ich musste mal, dann war es scheinbar schon fünf vor zwölf.

Am Nachmittag kamen meine beiden Schätze und haben Oma und Opa mitgebracht. Ich hatte ja alle auf “ab Samstag” vertröstet, weil ich ja Freitag gar nix konnte. Da war es mir schon angenehmer, dass nicht jeder auf meinen Urinbeutel starren kann, weil ich schon wieder alleine gehen kann. Der Besuch war schön, so schön, wie er in einem Krankenhaus eben sein kann, aber es hat mich trotzdem gestresst und teilweise überfordert. Der Krümel war wieder schnell gelangweilt, erfreulicherweise drehte die Oma eine Runde auf dem Gang mit ihr. Eigentlich wollte sie auch zu mir ins Bett kuscheln, aber leider ging das ja nicht wirklich.

Das Krümelchen hatte leider den ganzen Tag erhöhte Temperatur und was das bedeutete, kam einem Deja-Vu gleich und ich habe es ja schon kommen sehen. Durstfieber! Wie der große Krümel. Schon an diesem Tag kratzten wir arg an den 10%-Gewichtsabnahme. Das hieß also wieder zufüttern. Tja das ist wohl so, wenn man aus dem All-Inclusive-Urlaub kommt und man den Energiebedarf eines 3 Monate alten Säuglings hat. Ich hatte es mir anders gewünscht, aber ihn hungern zu lassen, wäre egoistisch und seine Schwester ist ja auch mit Zwiemilch groß und gesund geworden.

Tag 3: 17.01. – Schnee und der 100 m Lauf

Sonntag. Die Nacht war mehr als anstrengend, weil der Zwerg nicht satt wurde. Erst als ich mich erbarmte und um ein Fläschchen bat, schlief er ruhig und satt ein. Milcheinschuß, wo bist du?

Morgens sollte ich duschen gehen, damit sie mir das Pflaster von der Narbe entfernen konnten. Vorher folgten aber wieder Blutdruck-, Blutzucker- und Temperaturmessen und die Heparinspritze ertragen. Egal wie sehr ich unter der Dusche rubbelte, dieses orange Desinfektionszeug hielt sich hartnäckig. Im Anschluss wurde mir der Zwerg schreiender Weise zum Stoffwechseltest entführt, während ich meines Pflasters entledigt wurde. Die etwas arrogante Gynäkologin, die mich wohl im OP genäht hatte, begutachtete ihr Werk. Meine Lieblingskrankenschwester gratulierte ihr zu dieser guten Arbeit. An mich gewand, meinte sie, dass man die Narbe später wohl nicht mehr sehen werde. Ich stimmte ihr zu, dass man sie nicht sehen wird, da da höchstwahrscheinlich eh immer ein Bauch drüber hängt.

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Während ich auf mein Frühstück wartete, dass ich, so lautete die Anweisung, diesmal am Tisch einnehmen sollte, schaute ich aus dem Fenster. Wow Schnee!!! Ich habe es doch gesagt, so richtig Schnee liegt, wenn ich indisponiert bin. *grmpf* Das Krümelchen kam friedlich schlummernd wieder, da es wegen erhöhter Temperatur mit 20 ml Pre gesättigt wurde. Die Temperatur war glücklicherweise zwischendurch immer mal normal, sonst hätten wir noch beim Kinderarzt vorstellig werden müssen.

Der Papa schickte mir Bilder wie der große Krümel mit ihrem Kindergartenfreund nebst Familie im Schnee spielt. Ich sag nur “Hallo Babyblues” (der sollte mich am Abend noch mehr einholen). Am Mittag waren die beiden mit Oma, Opa, Tante, Onkel, Cousin und Cousine anlässlich Omas Geburtstag essen. Sie aß Pfannkuchen mit Apfelmus und Reibekäse. Dank WhatsApp wurde ich mit reichlich Bildern aus der Außenwelt versorgt. Am Nachmittag kamen Oma, meine Schwester und meine beiden Schätze uns besuchen. Der Krümel war wieder schnell gelangweilt und zu dem auch noch übermüdet und in Opas Arbeitszimmer vom Sofa gefallen. Meine liebste Schwester hatte mir zwei große Tüten voller Geschenke mitgebracht, aber ich war so überfordert vom überdrehten Krümel, Mamas Fragen und überhaupt, dass ich gar nicht im Stande war, die Geschenke anzusehen. Ich bat den Krümel-Papa sie mit zu nehmen, damit ich sie mir zu Hause in aller Ruhe anschauen konnte. Ich glaube, dass hat meine Schwester sehr verletzt, aber es war mir in dem Moment alles zu viel. Und so lieb ich sie alle habe, war ich froh, als ich mit dem Papa dann alleine war.

Man sagte mir am Freitag, wenn alles gut läuft, darf ich vielleicht schon am Montag heim. Das forderte ich nun ein. Aber ich bekam strenge Auflagen. Milch fürs Baby: selberholen. Mahlzeiten: im Speisesaal einnehmen. Baby wickeln: selbermachen…und laufen, laufen, laufen. Das tat ich brav unter den humorvollen Augen der Spätschicht. In der Nacht habe ich einmal geklingelt, um noch ein bisschen Milch zum zufüttern zu bekommen.

Als der Papa uns zur Abendbrotzeit verließ, war ich sehr traurig, ich vermisste meine Große so sehr. Scheinbar brauchte sie mich gar nicht mehr. Eigentlich schön, aber es brach mein labiles Mutterherz! Noch ein Grund mehr morgen nach Hause zu kommen.

Tag 4: 18.01. – Der Entlassungsmarathon

Es war also beschlossene Sache – Krümelchen und Ich gehen heim! Dadurch gestaltete sich der Vormittag recht stressig. Nach dem üblichen Prozedere versuchte ich den Kleinen irgendwie satt zu stillen. Irgendwann kam eine Kinderschwester und wollte uns zur U2 abholen. Da ich aber noch nicht gefrühstückt hatte, sollte ich das erst machen. Das Krümelchen war ein bisschen weggedöst, also schnell zum Frühstück – ganz brav über den Gang in den Speisesaal! Das Frühstück habe ich mir einhändig (der kleine Finger musste als Schnuller herhalten) im Eiltempo eingeflöst, da Krümelchen schon wieder unruhig wurde. Auf dem Weg in mein Zimmer wurde ich am Schwesternzimmer aufgehalten. Sie würden gern gleich die gynäkologische Abschlussuntersuchung machen. Ups, Kind hungrig. Na das kann was werden. Aber trotz vielem, wie ich finde, unnötigem Gelaber, wurde das Kerlchen nur gegen Ende unruhig. Das hatten wir also gut hinter uns gebracht. Jetzt aber schnell ab ins Zimmer Brust raus und Kind ran. “Ah Frau Kaule, da sind sie ja, kommen sie doch gleich mit zur U2. *hmpf*. Ich hatte schon Horrorszenarien vor mir, wie das Kind anfängt zu schreien, so lang und intensiv bis es in dieses schrille Kreischen übergeht. Aber sobald der Herr unten ohne sein darf, ist er trotz massiven Hungers bester Laune (das ist immer noch so). So haben wir auch die U2 super über die Bühne gebracht. 20g hatte er über Nacht zugenommen und war damit bei 4240 g-Entlassungsgewicht. Ich zeigte mich besorgt, aber die Kinderärztin meinte nur, dass das okay ist, es ist ein Aufwärtstrend. Das muss ich sagen, hat mir gut gefallen an Friedrichstadt – da wurde ein Problem, erst ein Problem, als es ein Problem wurde. Selbst eine Stillprobe von 20g, die idealerweise bei 40g hätte sein sollen, wurde mit: Na, sehen Sie da landet doch was im Kind!, quittiert (Über die Aussagekraft von Stillproben im Allgemeinen und in diesen Kleinstmengen im Speziellen will ich mich jetzt nicht auslassen).

Im Anschluss an die U2 wurden wir mit Geschenken überhäuft und über SSID aufgeklärt, was ich lustig fand in einem Krankenhaus, wo alle Babys mit Decken zu gedeckt werden auf die Notwendigkeit von Schlafsäcken hinzuweisen. Hier die Geschenke:

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Zurück im Zimmer gab es fotogene Kleidung und ein bis zwei Brüste, bevor es zur Babyfotografin ging. Sie hat dann das Bild für die Babygalerie gemacht und ein paar weitere, um ihr Fotopaket zu verkaufen. Und ich gebe zu, dass ich kurz überlegt hatte, es zu nehmen, als ich dann aber das Bild in der Bildergalerie sah, war ich voller Bewunderung, dass sie damit ihren Lebensunterhalt bestreiten kann ;-).

Nachdem mir alle Dokumente zur Entlassung ausgehändigt wurden (U-Heft, Mutterpass etc.), packte ich noch meine sieben Sachen. Nun hieß es nur noch warten auf den rettenden Prinzen in schillernder Rüstung namens: Papa. Als es so weit war, verabschiedeten wir uns noch von meiner Lieblingskinderschwester und meiner Lieblingshebammenschülerin und gegen 14:45 Uhr ging es nach Hause.

Der Weg war hart: Erst bei Glatteis zum Auto. Ich hatte echt Angst, dass ich gleich auf einer anderen Station im Krankenhaus liegen werde :-D. Und die Fahrt!!! Straßenbahnschienen queren – der Horror!!! Ganz gruseliges Gefühl. Noch die vielen, vielen Treppen ins 3. OG gestiegen und da waren wir: zu Hause! Dort gab es auch gleich eine Überraschung: Aufgrund von Fieber war die Große mit Oma zu Hause geblieben. So hatten wir gleich noch ein super Empfangskomitee.

Am 18. Januar, ca. 15:15 Uhr begann also unser Familienleben zu viert.

Im nächsten Artikel möchte ich gern noch mal Geburt und Krankenhausaufenthalt von Kind 1 im St. Joseph Stift und Kind 2 im Krankenhaus Friedrichstadt vergleichen. Ich hoffe, ich muss euch diesmal nicht so lange warten lassen.

Bis bald.

Julia

One Comment

  1. Linda

    Da liegt man ja fast mit im Wochenbett… Mir gefällt, dass man wirklich das Gefühl hat, hautnah dabei zu sein und du kein unschönes Detail aussparst.
    Da ich vor kurzem ähnliches erlebt habe, wirkt es sehr relativierend, es tut gut das zu lesen. Der vergleichende Artikel (St. Joseph Stift – Friedrichstadt) wird bestimmt sehr interessant für alle, die grad vor der Entscheidung stehen.
    Da ich auch grad mein zweites Kind bekommen habe, würde mich interessieren, wie es aktuell bei euch aussieht. Wie ging es weiter mit dem Stillen? Ist die Große manchmal eifersüchtig?
    Wenn der Artikel nur halb so lang ausfallen würde, wäre es auch nicht so schlimm. Dafür würde ich gern öfters was lesen, was im Moment aktuell ist. Ich bin schon sehr gespannt darauf, wie es weiter geht.

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